Menschen mit eher niedrigem Bildungsgrad nehmen nach der Pensionierung oft stark an Körpergewicht zu – vor allem dann, wenn sie in ihrem Job körperlich aktiv waren.
Die Zunahme von Adipositas (Fettleibigkeit) ist kein genereller Trend der Bevölkerung, sondern betrifft einzelne Bevölkerungsgruppen in sehr unterschiedlichem Ausmaß. Das haben Forscher vom Institut für Sozialmedizin und Epidemiologie der Meduni Graz gezeigt. Ihrer Langzeituntersuchung von 123.000 Österreichern zufolge steigt die Zahl der Fettleibigen besonders bei Menschen ab 55 Jahren mit niedrigem Bildungsniveau, während sie bei Jüngeren und Akademikern nur minimal zunimmt.
"Bei Menschen, die im Rahmen ihrer Berufstätigkeit stets körperlich aktiv waren, steigt die Adipositas-Rate zum Zeitpunkt der Pensionierung sprunghaft an. Besonders für diese Untergruppe wäre es wichtig, mehr präventive Maßnahmen gegen Übergewicht und Adipositas zu planen", erklärt die Studienautorin Franziska Großschädl. Betroffen sind dabei vor allem Menschen, die als höchsten Bildungsabschluss die Pflichtschule, Lehre oder eine berufsbildende mittlere Schule vorweisen können.
Starke Zunahme von Menschen mit Adipositas
Von 1983 bis 2007 stieg der Anteil der Adipösen in deutlich: bei Frauen von zehn auf 15 Prozent und bei Männern von 8,5 auf 13,8 Prozent. Den mit Abstand höchsten Anstieg gab es bei Personen ab 55 Jahren mit niedrigem Bildungslevel - von 17,2 auf 26,6 Prozent bei Frauen und von 11,7 auf 21,8 Prozent bei Männern. Bei Akademikern im mittleren Erwachsenenalter war der Zuwachs an Adipositas-Erkrankungen vergleichsweise minimal: Von 2,5 auf 5,7 Prozent bei Frauen und von 3,5 auf 6,9 Prozent bei Männern.
Bildung prägt Lebensstil
Die enormen Differenzen führt Großschädl teils auf den Ernährungs- und Lebensstil der einzelnen Bildungsschichten zurück. "Menschen mit niedriger Bildung können sich teureres und gesünderes Essen oder den Fitnesscenter-Besuch weniger leisten als Akademiker." Rund um die Pensionierung senkt sich der Bewegungslevel bei Ersteren deutlich, ohne dass sich die Nahrungszufuhr verändert. Gemeinsam mit der Tatsache, dass der Körper im Alter weniger Energie verbrennt, wird dies vielen zum Verhängnis.
Ein verstärktes Augenmerk auf rechtzeitige Vorsorge von Fettleibigkeit im Alter könnte helfen, häufige Probleme wie Immobilität, sinkender Lebensqualität, höherer Pflegeabhängigkeit und hoher Kosten im Gesundheits- und Sozialpflegebereich entgegenzuwirken.
Ost-West-Gefälle
Innerhalb Österreichs bestätigt die Grazer Studie das bekannte Ost-West-Gefälle: In der Region um Wien, Niederösterreich und Burgenland ist der Anteil der Fettleibigen am größten. Die meisten Schwergewichtigen leben im Burgenland: 2007 waren rund 23 Prozent der Frauen und 20 Prozent der Männer fettsüchtig.