Chronische Wunden belasten Betroffene stark und erfordern komplexe Diagnostik, Therapie und Koordination. Ein neuer Standard schafft erstmals bundesweit abgestimmte Pfade für Patientinnen und Patienten, Versorgungsebenen und Qualitätskriterien für integrierte Versorgung.

Abgestuftes Versorgungsmodell mit Versorgungspfad

Das abgestufte Versorgungsmodell beschreibt drei Ebenen, auf denen Wundversorgung geleistet wird. Neu ist die Stufe 2, in der spezialisiertes Wundmanagement erbracht wird. Sie ist das Bindeglied zwischen den vor- und nachgelagerten Ebenen. Von Ärztinnen und Ärzten bzw. DGKP wird deshalb eine einschlägige fachliche Expertise vorausgesetzt, wie das ÖÄK-Zertifikat Ärztliche Wundbehandlung für Ärztinnen und Ärzte und eine Weiterbildung zu Wundmanagement lt. § 64 GuKG für DGKP. Die Settings reichen dabei von der allgemeinmedizinischen oder fachärztlichen Ordination über Ambulatorien bis hin zu Praxen von Wundmanagerinnen und Wundmanagern oder spezialisierten Krankenhausambulanzen. Ein klar definierter Versorgungspfad führt durch die Stufen des Versorgungsmodells, bis das jeweilige Behandlungsziel erreicht ist.

Medizinische und pflegerische Zusammenarbeit als Prinzip

Mehrere Empfehlungen betonen die Notwendigkeit, ärztliche und pflegerische Kompetenzen gleichwertig einzubringen. Bei der multiprofessionellen Anamnese fließen medizinische, pflegerische und psychosoziale Aspekte mit ein. Im gemeinsam erstellten Behandlungsplan sollen Maßnahmen beider Bereiche abgebildet und der Patientin bzw. dem Patienten schriftlich ausgehändigt werden. Auch die Bedeutung der Dokumentation, des Wundmonitorings und der Beratung wird hervorgestrichen.

Umsetzung verlangt Aufbau von Strukturen

Die ÖGK unterstützt die breite Umsetzung des Qualitätsstandards. Teilweise müssen noch Sachleistungsangebote geschaffen werden. Erfolgreiche Beispiele finden sich in Primärversorgungseinheiten in ganz Österreich. In Wien sind neue Wundzentren bereits in Betrieb, und das Wiener Wundnetz hat sich etabliert. Weitere Projekte – sowohl für Arztpraxen als auch pflegegeführte Versorgungskonzepte – sind in Planung.

 

Wir laden Sie ein, die Empfehlungen des Qualitätsstandards in Ihrem jeweiligen Wirkungsbereich zu prüfen und – soweit möglich – in bestehende Abläufe zu integrieren. Der vollständige Qualitätsstandard steht auf der Homepage des Gesundheitsministeriums zum Download bereit.