Kinder-Primärversorgungseinheiten (Kinder-PVE) entwickeln sich zunehmend zu einem wichtigen Bestandteil der ambulanten Versorgung in Österreich. Sie verbinden medizinische Qualität mit multiprofessioneller Zusammenarbeit und schaffen Strukturen, die sowohl Familien entgegenkommen als auch Ärztinnen und Ärzten attraktive Rahmenbedingungen bieten.

Aktuell gibt es österreichweit bereits 116 Primärversorgungseinheiten, darunter 14 Kinder-PVE. Der weitere Ausbau steht klar im Fokus: Bis 2030 sollen zum Beispiel in Niederösterreich vier zusätzliche Kinder-PVE entstehen, in Wien drei weitere. Auch das Interesse an Kassenstellen in der Kinder- und Jugendmedizin steigt. Zwischen 1. Jänner 2025 und 1. Jänner 2026 haben 19 Kinderärztinnen und Kinderärzte einen Vertrag mit der ÖGK abgeschlossen.

Wie moderne Kindermedizin in einer Kinder-PVE gelebt wird, zeigt die Kinder-PVE Fuchsthal Kindermedizin im neunten Wiener Gemeindebezirk. Die von Priv.-Doz.in Dr.in Nicole Grois und Priv.-Doz. DDr. Markus Breu gegründete Einrichtung wurde im Juni 2025 eröffnet und gilt seit April 2026 offiziell als große Primärversorgungseinheit. Mit der Erweiterung gingen auch längere Öffnungszeiten einher – freitags ist die Ordination nun durchgehend von 7 bis 17 Uhr geöffnet. An den anderen Tagen steht die Tür bis 19 Uhr offen.

Interdisziplinäre Versorgung unter einem Dach

Die Kinder-PVE setzt bewusst auf Teamarbeit und ein breites medizinisches Angebot. Insgesamt arbeiten dort aktuell 28 Fachkräfte aus neun Berufsgruppen zusammen. Neben Kinderfachärztinnen und Kinderfachärzten mit unterschiedlichen Spezialisierungen umfasst das Team unter anderem klinische Psychologie, Physiotherapie, Ergotherapie, Sozialarbeit, Diätologie sowie diplomiertes Pflegepersonal.

Gerade diese enge Zusammenarbeit unterschiedlicher Berufsgruppen wird von der Gründerin und dem Gründer als entscheidender Vorteil gesehen. Für Familien bedeutet das vor allem kurze Wege, rasche Abstimmung zwischen den Disziplinen und eine ganzheitliche Betreuung an einem Standort.

„Das Arbeiten im Team ist für junge wie erfahrene Kolleginnen und Kollegen wesentlich attraktiver. Man kann sich austauschen, Dienste flexibel einteilen und Verantwortung gemeinsam tragen“, erklärt Dr.in Grois. Auch DDr. Breu sieht in diesem Modell die Zukunft der Versorgung: „Die interdisziplinäre Zusammenarbeit macht die Tätigkeit abwechslungsreicher und ermöglicht ein deutlich erweitertes Angebot für unsere Patientinnen und Patienten.“

Mehr als Akutversorgung

Das Versorgungsspektrum der Kinder-PVE Fuchsthal reicht weit über die klassische Akutversorgung hinaus. Angeboten werden unter anderem Neuropädiatrie, Entwicklungsdiagnostik, Säuglings- und Stillberatung, Psychosomatik, Psychotherapie, Ernährungsberatung, Jugendmedizin, Lungenfunktionsdiagnostik sowie Akut-Labordiagnostik direkt vor Ort. Besonders auffällig ist der Fokus auf Prävention und Entwicklungsförderung. So wurden zuletzt unter anderem vollfinanzierte Psychotherapieplätze für Babys und Kleinkinder geschaffen. Zusätzlich setzt das Zentrum verstärkt auf niederschwellige Gesundheitsinformation für Familien – etwa zu Impfungen, Medienkonsum oder frühkindlicher Entwicklung.

Die Philosophie dahinter ist klar formuliert: Jedes Kind soll unabhängig von Herkunft oder sozialem Hintergrund Zugang zu hochwertiger medizinischer Versorgung als Kassenleistung erhalten.

Attraktives Modell für die Zukunft

Kinder-PVE zeigen damit eindrucksvoll, wie moderne ambulante Versorgung aussehen kann: vernetzt, multiprofessionell und patientenorientiert. Gleichzeitig bieten sie Ärztinnen und Ärzten neue Arbeitsmodelle mit stärkerer Teamorientierung, flexibleren Strukturen und breiter fachlicher Zusammenarbeit.