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Österreichische
Gesundheitskasse (ÖGK)
Robert Mauersberger PhD

In den letzten Jahren wurde in Österreich ein deutlicher Anstieg von im extramuralen Bereich durchgeführten CT- und MRT-Untersuchungen verzeichnet (siehe Abbildung 1). 

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Abbildung 1: Entwicklung von extramuralen CT- und MRT-Kontakten 2018-2023. Datenquelle: ÖGK, 2018 = 100 %.


Österreich liegt damit derzeit sowohl bei den durchgeführten CT- als auch MRT-Untersuchungen unter den Spitzenreitern im europäischen Vergleich, wie Abbildung 2 zeigt.


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Abbildung 2: Anzahl an CT- bzw. MRT-Einheiten (Geräte) sowie die jeweils durchgeführten Untersuchungen in Österreich und ausgewählten europäischen Ländern 2021. Datenquelle: OECD Health at a Glance 2023.


Wie lässt sich dieser starke Anstieg erklären und was ergibt sich daraus?

Zum einen ist natürlich die Bevölkerungsentwicklung ein ausschlaggebender Faktor, doch damit allein lässt sich der Anstieg nicht erklären. Es dürfte zusätzlich auch eine steigende Inanspruchnahme dieser diagnostischen Verfahren vorliegen.

Diese Entwicklung bringt aber einige Probleme mit sich: Der vermehrte Einsatz von CT- und MRT-Untersuchungen führt nicht nur zu teilweise langen Wartezeiten für Patientinnen und Patienten, die dringend eine solche Untersuchung benötigen, sondern stellt auch eine erhebliche finanzielle Herausforderung für unser Gesundheitssystem dar.


Wie lässt sich dieser Entwicklung entgegensteuern?

In erster Linie muss auf einen gezielteren Einsatz dieser Untersuchungen geachtet werden: Vor jeder Zuweisung sollte eine genaue Nutzen-Risiko-Abwägung erfolgen. Dazu sollten sich u. a. die folgenden Fragen gestellt werden:

  • Ist eine CT- oder MRT-Untersuchung zwingend nötig bzw. ergibt sich aus deren Durchführung eine therapeutische Konsequenz?
  • Kann evtl. mit einer ressourcenschonenderen Alternative das Auslangen gefunden werden, z. B. mit einem herkömmlichen Röntgen oder einem Ultraschall, die noch dazu den Vorteil einer geringeren Strahlenbelastung haben? Für den Fall, dass mehrere Verfahren gleich geeignet sind, ist die ökonomisch günstigste Methode zu wählen (Ökonomieprinzip).
  • Existieren vielleicht bereits rezente Vorbefunde?


Bild_Orientierungshilfe.pngEine wertvolle Unterstützung bei der Fragestellung, welches der radiologischen Verfahren für das jeweilige Symptom bzw. die jeweilige Diagnose am besten geeignet ist, leistet die Orientierungshilfe Radiologie und Nuklearmedizin – iGuide Austria 2020, v. a. bei nicht alltäglichen Diagnosen oder speziellen Fragestellungen. Diese wurde von den österreichischen radiologischen Fachgesellschaften (ÖRG, VMSÖ, VBDO, ÖGNMB) und den relevanten Bundesfachgruppen der Österreichischen Ärztekammer (BURA, BFG NUK) zur Einschätzung der Evidenz radiologischer Methoden konzipiert und ist laut §7 der Medizinischen Strahlenschutzverordnung (MedStrSchV) bei der Zuweisung zu berücksichtigen. Die Orientierungshilfe wird regelmäßig aktualisiert, mit einer neuen Version ist demnächst zu rechnen. Die Onlineversion (www.orientierungshilfe.at) ermöglicht die Suche nach definierten Indikationen unter Angabe von Geschlecht und Alter der zu untersuchenden Person und führt zu einer schnellen Übersicht über bildgebende Verfahren (neben CT und MRT etwa auch Röntgen und Ultraschall), inkl. etwaige Modifikationsmöglichkeiten wie den Einsatz von Kontrastmitteln. Eine Kategorisierung in einem Ampelschema (siehe Abbildung 3) sowie eine Bewertung der Evidenz in der fraglichen Konstellation anhand einer Skala von 1 bis 9 unterstützen bei der Auswahl des am besten geeigneten Verfahrens. Verfahren, die mit weniger als vier Punkten bewertet werden, scheinen bis auf wenige Ausnahmen gar nicht erst im iGuide Austria 2020 auf.


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 Abbildung 3: Bewertungsschema radiologischer Methoden im iGuide Austria 2020.


Einen Auszug der Orientierungshilfe gibt es auch als Broschüre (Download im pdf-Format hier).


Herausforderungen im Praxisalltag

In der Praxis kommt es nicht selten vor, dass Ärztinnen und Ärzte mit einer gewissen Erwartungshaltung seitens der Patientinnen und Patienten konfrontiert sind: Diese erwarten sich oftmals eine schnelle und umfangreiche bildgebende Diagnostik, beispielsweise bei unspezifischen Rückenschmerzen (ohne Vorhandensein von Red Flags), z. B. weil dies im Verwandten- und Bekanntenkreis in scheinbar vergleichbaren Fällen auch so erfolgt ist.

Das stellt die behandelnden Ärztinnen und Ärzte natürlich vor ein Dilemma. Eine ausführliche Aufklärung über die fehlende medizinische Notwendigkeit sowie über die Risiken der jeweiligen Untersuchungsmethoden nimmt viel Zeit in Anspruch – Zeit, die im stressigen Praxisalltag aber oft nicht vorhanden ist. Zusätzlich kann die Ablehnung für eine Zuweisung die Beziehung zwischen Ärztin bzw. Arzt und Patientin oder Patient belasten, was gerade im hausärztlichen Bereich problematisch sein kann.


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Um unsere Vertragspartnerinnen und Vertragspartner hier bestmöglich zu unterstützen, hat die ÖGK deshalb neben einer Zuweiserinformation auch einen Informationsfolder für Patientinnen und Patienten erstellt, in dem Einsatzbereiche, Nutzen, aber auch potenzielle Risiken der jeweiligen Untersuchungsmethoden (z. B. Strahlenbelastung bei CT-Untersuchungen oder allergische Reaktionen auf Kontrastmittel) ausführlich dargestellt werden.

Die Informationsmaterialien können Sie über den angegebenen Kontakt beziehen.

Hier finden Sie die pdf-Versionen:

Informationen zur CT- und MRT-Untersuchung für Patientinnen und Patienten (PDF, 1 MB)

Rationaler Einsatz von CT- und MRT-Untersuchungen: Information für Zuweisende (PDF, 644 KB) 


Vermeidung unnötiger Wiederholungsuntersuchungen

Um zu vermeiden, dass radiologische Untersuchungen unnötigerweise wiederholt werden müssen, ist unbedingt darauf zu achten, dass die Zuweisungen möglichst präzise und vollständige Angaben enthalten. Nur so kann die Untersuchung bestmöglich durchgeführt bzw. die jeweilige Fragestellung bestmöglich beantwortet werden.

 

Auf der Zuweisung sind jedenfalls anzuführen:

  • klinische Symptomatik
  • bereits erhobene Befunde
  • zu untersuchende Region (möglichst exakte Abgrenzung)
  • konkrete Fragestellung

Unbedingt sollte auch in Erfahrung gebracht werden, ob eventuell kürzlich bereits eine entsprechende Untersuchung durchgeführt wurde. Radiologische Befunde von vorherigen Untersuchungen sind üblicherweise in der Elektronischen Gesundheitsakte (ELGA) abrufbar. Zusätzlich wird nun auch schrittweise die Bereitstellung der zugehörigen e-Bilddaten über ELGA von niedergelassenen radiologischen Einrichtungen und radiologischen Instituten von Krankenanstalten umgesetzt. Dies ermöglicht behandelnden Ärztinnen und Ärzten eine selbstständige visuelle Beurteilung eventuell rezent erfolgter Untersuchungen, auch wenn diese z. B. zu einem anderen Zweck erstellt wurden.

Fazit

  • Die deutliche Zunahme an durchgeführten CT- und MRT-Untersuchungen stellt eine große Herausforderung für das österreichische Gesundheitssystem dar.
  • Patientinnen und Patienten müssen teilweise recht lange auf dringend notwendige Untersuchungen warten, ein Kapazitätsausbau ist aber aufgrund der Vorgaben des Großgeräteplans nur begrenzt möglich.
  • Aus diesem Grund ist eine stärkere und bedarfsgerechtere Steuerung der Untersuchungen unerlässlich. Oberstes Ziel muss sein, die hohe Qualität der medizinischen Versorgung in Österreich beizubehalten und gleichzeitig schonender mit den vorhandenen Ressourcen umzugehen.