Primärversorgung wird weiter ausgebaut

Ein zentraler Baustein der künftigen Versorgungslandschaft ist der Ausbau der Primärversorgungseinheiten (PVE). Die regionalen Strukturpläne Gesundheit sehen bis 2030 österreichweit 255 PVE, darunter 22 Kinder-PVE, vor. Aktuell bestehen 116 Einrichtungen, davon 14 Kinder-PVE. In den kommenden Jahren wird die bestehende Anzahl also mehr als verdoppelt.

Das Ziel ist klar: Die wohnortnahe medizinische Versorgung soll gestärkt und multiprofessionelle Zusammenarbeit weiter ausgebaut werden. Längere Öffnungszeiten, ein erweitertes Leistungsangebot und die Einbindung unterschiedlicher Gesundheitsberufe schaffen Mehrwert für Patientinnen und Patienten und gleichzeitig attraktive Arbeitsmodelle für Ärztinnen und Ärzte.

Gerade im ländlichen Raum eröffnen Netzwerk-PVE neue Möglichkeiten, die Versorgung langfristig sicherzustellen. Die Bedarfsplanung wird dabei regelmäßig evaluiert und an aktuelle Entwicklungen angepasst.

Telemedizin ergänzt die persönliche Betreuung

Digitale Angebote werden die Versorgung künftig sinnvoll ergänzen. Telemedizin ermöglicht eine rasche Ersteinschätzung, unterstützt die Betreuung chronisch kranker Menschen und erleichtert die medizinische Versorgung unabhängig vom Wohnort.

Für den niedergelassenen Bereich entstehen dadurch neue Möglichkeiten, Routineanliegen effizient abzuwickeln und mehr Zeit für komplexe medizinische Fragestellungen zu schaffen. Gleichzeitig können Patientinnen und Patienten gezielter gesteuert und unnötige Ambulanzkontakte reduziert werden.

Telemedizin ersetzt dabei nicht den persönlichen Arzt-Patienten-Kontakt, sondern erweitert ihn dort, wo digitale Lösungen einen medizinischen Mehrwert schaffen.

Digitalisierung reduziert Bürokratie

Die Digitalisierung der Gesundheitsversorgung schreitet kontinuierlich voran und soll den administrativen Aufwand in den Ordinationen noch weiter reduzieren.

Zu den geplanten Maßnahmen zählen unter anderem:

  • e-Zuweisungen für CT-, MRT-, Röntgen- und Ultraschalluntersuchungen,
  • e-Verordnungen für Transportscheine sowie Heilbehelfe und Hilfsmittel,
  • sowie ein digitales Terminservice, das die Terminvergabe künftig einfacher und transparenter gestalten soll.

Diese Entwicklungen schaffen effizientere Abläufe und geben Ärztinnen und Ärzten mehr Zeit für ihre eigentliche Aufgabe – die Behandlung ihrer Patientinnen und Patienten.

Gruppenpraxen zeigen, wie moderne Versorgung funktionieren kann

Neben Primärversorgungseinheiten gewinnen Gruppenpraxen und fachärztliche Zentren zunehmend an Bedeutung. Sie bündeln Kompetenzen, fördern die Zusammenarbeit verschiedener Fachrichtungen und ermöglichen eine hochqualitative ambulante Versorgung. Beispiele dafür sind z. B.: das Zentrum für sexuelle Gesundheit in Wien. Hier sind laut Vertrag Allgemeinmedizin, Dermatologie, Gynäkologie und nichtärztliche Berufe vertreten. Das PVE in Telfs (Tirol) ist das erste PVE, in dem auch eine Gynäkologie-Stelle integriert wurde.

Für Versicherte bedeutet das: Hochspezialisierte Untersuchungen können wohnortnah erbracht werden. Gleichzeitig profitieren die behandelnden Ärztinnen und Ärzte von kurzen Abstimmungswegen und einer engen fachübergreifenden Zusammenarbeit.

Einheitliche Rahmenbedingungen für die Versorgung

Parallel dazu arbeiten die Österreichische Gesundheitskasse (ÖGK) und die Österreichische Ärztekammer an einem österreichweit einheitlichen Gesamtvertrag mit einem modernen Leistungskatalog. Ziel ist es, Versicherten bundesweit gleiche Leistungen anzubieten und gleichzeitig zeitgemäße Rahmenbedingungen für die Vertragspartnerinnen und Vertragspartner zu schaffen.

Gemeinsam die Versorgung weiterentwickeln

Die Gesundheitsversorgung von morgen entsteht bereits heute. Der Ausbau der Primärversorgung, die Digitalisierung von Prozessen und neue Formen der interdisziplinären Zusammenarbeit sind wesentliche Bausteine einer nachhaltigen Versorgungsstrategie.

Für Vertragspartnerinnen und Vertragspartner eröffnet dieser Wandel neue Möglichkeiten, Versorgung effizienter zu gestalten und Patientinnen und Patienten noch besser zu begleiten. Gemeinsam kann so ein Gesundheitssystem entwickelt werden, das auch künftig höchste medizinische Qualität mit wohnortnaher Versorgung und moderner Infrastruktur verbindet.