Wohnortnah, vernetzt und multiprofessionell – so funktioniert moderne Primärversorgung.
PVZ, PVN, PVE: Die wichtigsten Begriffe auf einen Blick
PVZ, PVN oder PVE – die Abkürzungen rund um die Primärversorgung tauchen immer häufiger auf. Doch was bedeuten sie eigentlich? Und worin unterscheiden sich die verschiedenen Organisationsformen? Ein Überblick.
Die Primärversorgung – die erste Anlaufstelle für Patient*innen
Die Primärversorgung bildet das Fundament der medizinischen Versorgung in Österreich. Sie ist in der Regel die erste Anlaufstelle für Patientinnen und Patienten – sei es in einer allgemeinmedizinischen oder kinderärztlichen Kassenordination oder in einer Primärversorgungseinheit (PVE). Ziel ist eine wohnortnahe, koordinierte und umfassende Betreuung. Bei Bedarf werden Patientinnen und Patienten an Fachärzt*innen oder Spitäler weitervermittelt.
Seit 2015 werden Primärversorgungseinheiten in Österreich gezielt ausgebaut. Sie setzen auf die enge Zusammenarbeit verschiedener Gesundheitsberufe und stärken damit die Versorgung vor Ort.
PVE – der Oberbegriff
Der Begriff Primärversorgungseinheit (PVE) beschreibt das Versorgungskonzept. Eine PVE kann in zwei unterschiedlichen Organisationsformen geführt werden:
- Primärversorgungszentrum (PVZ)
- Primärversorgungsnetzwerk (PVN)
Beide verfolgen dasselbe Ziel: eine moderne, multiprofessionelle und patientenorientierte Versorgung.
PVZ – viele Gesundheitsberufe an einem Standort
In einem Primärversorgungszentrum (PVZ) arbeiten mehrere Gesundheitsberufe unter einem Dach zusammen. Neben Allgemeinmediziner*innen oder Kinderärzt*innen gehören beispielsweise Pflegepersonen sowie Therapeut*innen oder Sozialarbeiter*innen zum Team.
Für Patientinnen und Patienten bedeutet das kurze Wege, eine bessere Abstimmung und viele Leistungen an einem Standort. Spezialisierte Angebote – etwa Kinder-PVE oder das erste Primärversorgungszentrum mit integrierter gynäkologischer Kassenversorgung in Telfs – zeigen, wie vielfältig das Modell bereits heute ist.
Derzeit gibt es österreichweit 110 Primärversorgungszentren, darunter 15 Kinder-PVE.
PVN – gemeinsam versorgen, an mehreren Standorten
Ein Primärversorgungsnetzwerk (PVN) besteht aus mehreren Ordinationsstandorten, die eng zusammenarbeiten. Die beteiligten Ärzt*innen und weiteren Gesundheitsberufe bleiben an ihren jeweiligen Standorten tätig und bilden gemeinsam eine Versorgungseinheit.
Dieses Modell eignet sich besonders für Regionen, in denen mehrere Gemeinden gemeinsam eine wohnortnahe Versorgung sicherstellen.
Aktuell gibt es in Österreich neun Primärversorgungsnetzwerke. Die meisten bestehen aus zwei Standorten, größere Netzwerke – etwa das PVN Melker Alpenvorland oder das PVN Raabtal – verbinden mehrere Ordinationen miteinander.
Welche Vorteile bieten Primärversorgungseinheiten?
Die enge Zusammenarbeit unterschiedlicher Gesundheitsberufe ermöglicht eine koordinierte Betreuung aus einer Hand. Viele medizinische Anliegen können direkt innerhalb der PVE behandelt werden, wodurch Behandlungsabläufe vereinfacht und Patientinnen und Patienten umfassend begleitet werden.
Weitere Vorteile sind:
- erweiterte Öffnungszeiten,
- wohnortnahe Versorgung,
- kurze Abstimmungswege zwischen den Gesundheitsberufen,
- ein besonderer Fokus auf Prävention, Gesundheitsförderung und Gesundheitskompetenz sowie
- eine intensive Betreuung chronisch kranker Patientinnen und Patienten.
Gleichzeitig tragen Primärversorgungseinheiten dazu bei, Spitalsambulanzen zu entlasten und die medizinische Versorgung langfristig abzusichern.
Primärversorgung wächst weiter
Mit Stand Juni 2026 gibt es in Österreich 119 Primärversorgungseinheiten, darunter 15 Kinder-PVE. In den kommenden Monaten sollen rund zehn weitere Einrichtungen eröffnet werden. Bis 2030 ist der Ausbau auf 257 Primärversorgungseinheiten, darunter 23 Kinder-PVE, vorgesehen.
Für Ärztinnen und Ärzte eröffnen sich damit attraktive Möglichkeiten der Zusammenarbeit – von der Tätigkeit in multiprofessionellen Teams bis hin zu flexiblen Organisationsformen, die eine moderne und zukunftsorientierte Versorgung ermöglichen.