Kaum hat Kindergarten oder Schule begonnen, läuft die Nase, der erste Husten ist da – und manchmal folgt kurz danach schon der nächste Infekt. Viele Eltern fragen sich dann: Ist das Immunsystem meines Kindes zu schwach?
Stark durch den Herbst: Was Kinder jetzt wirklich brauchen
Meist besteht kein Grund zur Sorge. Gerade bei jüngeren Kindern gehören Infekte zum Aufwachsen dazu. Eltern können aber einiges tun, um die Gesundheit und die natürlichen Abwehrkräfte ihres Kindes zu unterstützen.
Schon wieder krank – ist das noch normal?
Gerade zu Beginn des Kindergarten- und Schuljahres treffen viele Kinder wieder täglich aufeinander. Dadurch kommen sie auch mit zahlreichen Viren und anderen Krankheitserregern in Kontakt.
Das Immunsystem entwickelt sich laufend weiter und lernt dabei, mit neuen Belastungen umzugehen – und in Kindergarten und Schule treffen Kinder auf viele unterschiedliche Krankheitserreger. Deshalb sind Infekte insbesondere bei jüngeren Kindern keine Seltenheit. Bis zum Schuleintritt können acht bis zwölf leichte Infektionen pro Jahr vorkommen. Das ist noch kein Grund zur Besorgnis. Mit zunehmendem Alter werden Atemwegsinfekte in der Regel seltener.
Gut zu wissen
Häufige leichte Erkältungen bedeuten nicht automatisch, dass ein Kind ein „schwaches Immunsystem“ hat. Entscheidend ist auch, wie schwer die Erkrankungen verlaufen, wie lange sie dauern und ob sich das Kind dazwischen wieder gut erholt.
Kann man das Immunsystem von Kindern stärken?
- Bunt und abwechslungsreich essen
Eine ausgewogene Ernährung versorgt den Körper mit Energie, Eiweiß, Vitaminen, Mineralstoffen und wichtigen Fettsäuren.
Im Familienalltag heißt das vor allem: möglichst abwechslungsreich essen und regelmäßig Gemüse, Obst, Vollkornprodukte und geeignete Eiweißquellen anbieten.
Gute Eiweißquellen sind zum Beispiel Hülsenfrüchte, Milch und Milchprodukte, Eier sowie Fisch und Fleisch. Vitamin C steckt unter anderem in Paprika, Beeren, Kartoffeln und Sauerkraut. Vollkornprodukte, Nüsse und Samen liefern unter anderem Zink.
Entscheidend ist nicht das einzelne „Superfood“, sondern die Vielfalt auf dem Teller.
- Jeden Tag in Bewegung kommen
Laufen, Rad fahren, Ball spielen, am Spielplatz herumtoben oder den Schulweg möglichst zu Fuß zurücklegen: Bewegung lässt sich einfach in den Alltag integrieren.
Noch besser: regelmäßig raus ins Freie. Dafür braucht es kein spezielles Trainingsprogramm.
Erkältungen entstehen durch Krankheitserreger – nicht dadurch, dass es draußen kalt ist.
- Schlaf ernst nehmen
Ausreichend Schlaf ist für die körperliche und geistige Entwicklung von Kindern wichtig. Regelmäßige Schlafenszeiten und eine ruhige Schlafumgebung helfen dabei.
Elektronische Geräte wie Handys, Tablets, Spielkonsolen oder Fernsehgeräte gehören abends nicht ins Kinderzimmer.
Das Schlafzimmer sollte gut gelüftet und nicht überheizt sein.
- Für gesunde Raumluft sorgen
Kinder sollten möglichst wenig Schadstoffen in der Raumluft ausgesetzt sein. Besonders wichtig: Zigarettenrauch und Nikotindampf haben in der Umgebung und in Wohnräumen von Kindern nichts verloren.
Auch regelmäßiges Lüften und das Vermeiden beziehungsweise Beseitigen von Schimmel gehören zu einem gesunden Wohnumfeld.
- Impfschutz überprüfen
Impfungen gehören zu den wirksamsten Möglichkeiten, Kinder vor zahlreichen Infektionskrankheiten und möglichen schweren Krankheitsverläufen zu schützen.
Gerade zum Start ins neue Kindergarten- oder Schuljahr lohnt sich daher ein Blick in den Impfpass: Sind alle für das Alter empfohlenen Impfungen vorhanden? Bei Unsicherheiten helfen Kinderärztin oder Kinderarzt bzw. Hausärztin oder Hausarzt weiter.
Und was ist mit Immunboostern?
Gummibärchen, Säfte, Pulver oder andere Präparate versprechen gerade in der Erkältungssaison häufig „starke Abwehrkräfte“.
Für gesunde Kinder sind solche beworbene Immunbooster normalerweise nicht notwendig und meist wirkungslos. Ein Präparat, das nachgewiesen und zuverlässig vor den typischen Infekten in Kindergarten oder Schule schützt, gibt es nicht.
Nahrungsergänzungsmittel sollten bei Kindern nicht vorsorglich auf eigene Faust eingesetzt werden, da es hier auch zu Überdosierungen einzelner Inhaltsstoffe kommen kann. Besteht der Verdacht auf einen Mangel oder gibt es einen medizinischen Grund für eine Ergänzung, sollte das mit der Kinderärztin oder dem Kinderarzt besprochen werden.
“Wichtig ist eine ausgewogene Ernährung mit täglich Gemüse und Obst, regelmäßige Bewegung und Zeit an der frischen Luft sowie ausreichend Schlaf. Gleichzeitig sollten Kinder vor Nikotin- und Zigarettenrauch, Schimmel und anderen Belastungen der Raumluft geschützt werden.
”
Dr.in Gabriele Berger, Kinderärztin bei der ÖGK
Fit für Schule und Kindergarten: Was gehört in die Jausenbox?
Gesund durch den Herbst zu kommen beginnt nicht erst nachmittags zu Hause. Auch die Jause trägt dazu bei, dass Kinder im Kindergarten oder in der Schule gut mit Energie und Nährstoffen versorgt sind.
Eine gute Jausenbox braucht keine komplizierten Rezepte. Ideal ist eine Kombination aus mehreren Bausteinen:
Getreide
Vollkornbrot, Vollkornweckerl oder ungesüßtes Müsli
Eiweiß
Käse, Naturjoghurt, Milch, Ei oder ein Topfen-Aufstrich
Obst und Gemüse
Apfel, Beeren, Paprika, Gurke oder Karotten – am besten so vorbereitet, dass Kinder sie gerne essen
Getränk
Wasser oder ungesüßter Tee
Süßigkeiten müssen nicht grundsätzlich verboten werden. Als alleinige Jause sind stark zuckerhaltige Lebensmittel aber ungeeignet: Sie sättigen häufig nicht lange und ersetzen keine ausgewogene Mahlzeit.
Bunt schlägt kompliziert
Für eine einfache, ausgewogene Schuljause reichen bereits:
- Vollkornbrot
- Käse oder Aufstrich
- Gemüsesticks
- Obst
- Wasser
Müssen Kinder vor möglichst vielen Keimen geschützt werden?
Nein. Ein möglichst steriler Alltag ist weder notwendig noch realistisch. Gleichzeitig müssen Kinder auch nicht absichtlich möglichst vielen Krankheitserregern ausgesetzt werden, damit sich ihr Immunsystem entwickelt.
Im Alltag helfen einfache Hygieneregeln, Infektionen einzudämmen:
- regelmäßig und gründlich mit Seife Hände waschen (vor allem beim Heimkommen, nach der Toilette und vor dem Essen)
- in die Armbeuge husten oder niesen
- benutzte Taschentücher sofort entsorgen
- Räume regelmäßig lüften
- Trinkflaschen, Gläser, Besteck oder Schnuller nicht unnötig teilen
Desinfektionsmittel sind im normalen Familienalltag in der Regel kein Ersatz für Händewaschen und übliche Hygiene.
5 Dinge, die Kinder jetzt wirklich brauchen
- Abwechslungsreich, gesund essen.
- Täglich bewegen und rausgehen.
- Ausreichend schlafen.
- Rauchfreie, gesunde Raumluft.
- Empfohlenen Impfschutz aktuell halten.
Und der teure "Immunbooster"? Den braucht ein gesundes Kind normalerweise nicht.
Sollte Ihr Kind doch krank werden: Ihre Kinderärztin bzw. Ihr Kinderarzt oder Ihre Hausärztin bzw. Ihr Hausarzt ist eine wichtige erste Anlaufstelle. Außerhalb der Ordinationszeiten bietet die Gesundheitsberatung 1450 rund um die Uhr Orientierung. In medizinischen Notfällen wählen Sie 144.