Das Kind trinkt plötzlich auffällig viel, muss ständig auf die Toilette, ist ungewöhnlich müde oder verliert Gewicht? Solche Veränderungen können viele Ursachen haben – sie können aber auch erste Anzeichen für Diabetes sein. Gerade bei Kindern können die Beschwerden innerhalb kurzer Zeit auftreten. Wer die Warnzeichen kennt, kann schneller reagieren.
Ständig durstig und müde? Diabetes bei Kindern rechtzeitig erkennen
Diabetes kann auch Kinder treffen
Typ 1 Diabetes ist die häufigste Form von Diabetes bei Kindern und Jugendlichen in Österreich. Dabei greift das körpereigene Immunsystem jene Zellen der Bauchspeicheldrüse an, die Insulin produzieren. Dem Körper steht dadurch immer weniger Insulin zur Verfügung.
Gut zu wissen
Typ 1 Diabetes entsteht nicht, weil ein Kind zu viel Zucker gegessen, sich zu wenig bewegt oder ungesund gelebt hat. Es handelt sich um eine Autoimmunerkrankung. Warum sie entsteht, ist noch nicht vollständig geklärt. Nach heutigem Wissen spielen bei der Entstehung mehrere zusammenwirkende Faktoren eine Rolle, wie z.B. Vererbung, Viruserkrankungen und Umweltfaktoren. Typ 1 Diabetes lässt sich aber leider nicht durch eine besondere Ernährung, mehr Bewegung oder einen bestimmten Lebensstil verhindern.
Diese fünf Warnzeichen sollten Eltern kennen
- Auffällig starker Durst
Das Kind trinkt plötzlich deutlich mehr als sonst oder wird vielleicht auch nachts durstig. - Häufiges Wasserlassen
Das Kind muss ungewöhnlich oft auf die Toilette – möglicherweise auch in der Nacht. - Plötzlich wieder Einnässen
Ein Kind, das bereits trocken war, beginnt wieder einzunässen. - Ungewollter Gewichtsverlust
Das Kind verliert Gewicht, ohne dass es dafür einen offensichtlichen Grund gibt. - Vermehrte Müdigkeit
Das Kind wirkt ungewöhnlich erschöpft, antriebslos oder weniger belastbar als sonst.
Weitere Zeichen können ungewöhnliche Infektionen oder eine rasch auftretende Sehverschlechterung sein.
Auf die Kombination achten!
Viel Durst nach dem Sport oder einmal ein müder Tag bedeuten nicht, dass ein Kind Diabetes hat. Aber läuft ein Kind plötzlich ungewohnt häufig zur Toilette oder macht es nachts wieder ins Bett, muss genau hingeschaut werden. Aufmerksam sollten Eltern vor allem werden, wenn Beschwerden neu und ungewöhnlich sind oder mehrere Warnzeichen gleichzeitig auftreten – dann sollte das Kind rasch ärztlich untersucht werden.
In seltenen Fällen kann Typ 1 Diabetes auch schon bei Kindern im ersten Lebensjahr auftreten. Hier können die Anzeichen schwieriger zu erkennen sein. Auffällig können beispielsweise ungewöhnlich nasse bzw. schwere Windeln in Verbindung mit starkem Durst, Gewichtsverlust oder Müdigkeit sein.
“Wenn ein Kind plötzlich ständig durstig ist, häufig auf die Toilette muss, wieder einnässt, Gewicht verliert oder ungewöhnlich müde wirkt, sollten Eltern aufmerksam werden. Besonders wenn mehrere dieser Veränderungen gleichzeitig auftreten, ist eine rasche ärztliche Abklärung wichtig.
”
Dr.in Gabriele Berger, Kinderärztin bei der ÖGK
Warum schnelles Handeln wichtig ist
Bleibt Typ 1 Diabetes unentdeckt, kann es zu einer diabetischen Ketoazidose kommen. Durch den Insulinmangel gerät der Stoffwechsel aus dem Gleichgewicht und das Blut übersäuert. Gleichzeitig verliert der Körper durch vermehrten Harndrang zu viel Flüssigkeit und trocknet aus. Dieser Zustand kann lebensbedrohlich werden.
Wann wird es zum Notfall?
Treten zusätzlich zu den typischen Diabetes-Warnzeichen Beschwerden wie
- Übelkeit oder Erbrechen,
- Bauchschmerzen,
- eine beschleunigte oder auffällig tiefe Atmung,
- süßlich bzw. nach Aceton riechender Atem oder
- zunehmende Benommenheit bis hin zu Bewusstseinsstörungen
auf, kann eine schwere Stoffwechselentgleisung vorliegen. Eine diabetische Ketoazidose ist lebensbedrohlich und muss sofort medizinisch behandelt werden.
Bei Bewusstseinsstörungen oder einer deutlichen Verschlechterung: Notruf 144.
Risiko
Typ 1 Diabetes früh erkennen
Typ 1 Diabetes kann sich bereits entwickeln, bevor Beschwerden auftreten. In Wien, Niederösterreich und dem Burgenland können Eltern ihr Neugeborenes im Rahmen der „Freder1k“-Studie nach der Geburt auf ein erhöhtes genetisches Risiko untersuchen lassen. Zusätzlich bietet die Medizinische Universität Wien mit der „INNODIA Detect“-Studie eine Untersuchung für Familien an, in denen ein Elternteil oder Geschwisterkind von Typ 1 Diabetes betroffen ist. Mittels Bluttest wird hier geprüft, ob diabetesbezogene Autoantikörper nachweisbar sind – Abwehrstoffe, die auf eine beginnende Autoimmunreaktion hinweisen können.
Verdacht
So erfolgt die ärztliche Abklärung
Besteht aufgrund der Beschwerden der Verdacht auf Diabetes, muss sofort eine ärztliche Abklärung erfolgen. Eine einfache Blutzuckermessung aus der Fingerbeere oder auch ein Urintest können hier rasch wichtige Hinweise geben. Zur weiteren Abklärung sind dann zusätzliche Untersuchungen wie zum Beispiel eine Blutabnahme notwendig.
Behandlung
Bei Diagnose von Typ 1 Diabetes
Bestätigt sich Typ 1 Diabetes, benötigen Kinder eine spezialisierte medizinische Betreuung und eine lebenslange Insulintherapie. Heutzutage nützen Kinder in Österreich moderne technische Hilfsmittel, wie Glukosesensoren, Insulinpumpen und Apps für ihre Behandlung. Diabetes-Schulungen helfen Kindern und ihren Familien dabei, sicher mit der Erkrankung im Alltag umzugehen. Weitere Informationen und Schulungsdokumente zu Typ 1 Diabetes sind auf der Seite der Österreichischen Diabetesgesellschaft zu finden.
Auch Dr.in Gabriele Berger beschäftigt sich intensiv mit der Versorgung junger Menschen mit Typ 1 Diabetes. 2026 wurde sie mit dem Forschungspreis der Österreichischen Diabetes Gesellschaft (ÖDG) ausgezeichnet.
Ihr Forschungsprojekt „SCREEN-the-Teen“ setzt eine speziell entwickelte App ein, um psychische Belastungen bei Jugendlichen mit Typ 1 Diabetes frühzeitig zu erkennen. Die Ergebnisse stehen dem Behandlungsteam unmittelbar zur Verfügung, damit bei Bedarf rasch weitere Unterstützung eingeleitet werden kann. Nach erfolgreicher Pilotphase soll das Projekt österreichweit ausgerollt werden.
Mehr zum Forschungsprojekt von Dr.in Gabriele Berger finden Sie unter unseren aktuellen Meldungen: ÖGK-Kinderärztin erhält ÖDG-Forschungspreis
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