Handy, Tablet und Fernseher gehören für viele Familien zum Alltag. Gerade Kinder brauchen aber ausreichend Zeit abseits des Bildschirms: zum Sprechen, Spielen, Bewegen und Entdecken. Ein bewusster Umgang mit digitalen Medien ist wichtig für eine gesunde Sprachentwicklung und kann auch dazu beitragen, die Augen zu entlasten.
Handy, Tablet & Co.: Was Kinder für eine gesunde Entwicklung brauchen
Babys kommunizieren vom ersten Tag an. Sie hören Stimmen, beobachten Gesichter und reagieren auf Blickkontakt, Berührungen und Geräusche. Schon lange bevor das erste Wort kommt, lernen sie dadurch viel über Sprache und Kommunikation.
Gerade in den ersten Lebensjahren sind unmittelbare Erfahrungen besonders wichtig: Berührung, Blickkontakt, Sprache und die Aufmerksamkeit ihrer Bezugspersonen.
Mit zunehmendem Alter werden aus Lauten erste Wörter und später ganze Sätze. Dafür braucht es kein spezielles Sprachtraining. Entscheidend sind viele Gelegenheiten, bei denen Kinder Sprache erleben, selbst ausprobieren und auf andere Menschen reagieren können.
Die Sprachentwicklung verläuft dabei von Kind zu Kind unterschiedlich. Entwicklungsschritte können Orientierung geben, sind aber keine Checkliste, die jedes Kind zu einem bestimmten Zeitpunkt erfüllen muss.
So fördern Sie Sprache im Alltag
Sprachförderung lässt sich ganz einfach in den Familienalltag integrieren:
- Sprechen Sie mit Ihrem Kind. Erzählen Sie, was Sie gerade tun oder gemeinsam sehen.
- Greifen Sie Interessen auf. Zeigt Ihr Kind auf einen Hund, können Sie daraus ein kleines Gespräch machen.
- Hören Sie zu. Geben Sie Ihrem Kind Zeit, selbst zu antworten und zu erzählen.
- Schauen Sie gemeinsam Bücher an. Bilder zeigen, Dinge benennen und darüber sprechen fördert den Austausch.
- Singen und reimen Sie. Lieder, Reime und Fingerspiele verbinden Sprache mit Rhythmus.
- Spielen Sie gemeinsam. Benennen Sie Gegenstände, Farben, Tiere oder das, was gerade passiert.
Gerade kleine Kinder lernen Sprache besonders im direkten Austausch. Dabei erleben sie nicht nur Wörter, sondern gleichzeitig Blickkontakt, Gesichtsausdruck, Sprachmelodie und die Reaktionen ihres Gegenübers.
Sprache fördern – ganz nebenbei
Beim Anziehen: „Wo ist deine blaue Socke?“
Beim Spazieren: „Was siehst du dort?“
Beim Einkaufen: „Was brauchen wir noch?“
Beim Spielen: „Wo fährt das rote Auto hin?“
Beim Bilderbuch: „Was glaubst du, passiert jetzt?“
Sprachförderung braucht kein eigenes Trainingsprogramm. Sie passiert im Alltag – wenn wir miteinander sprechen, zuhören und aufeinander reagieren.
Und was hat der Bildschirm damit zu tun?
Handy, Tablet, Fernseher und Computer gehören heute selbstverständlich zum Familienalltag. Entscheidend ist nicht nur, wie lange ein Kind vor einem Bildschirm sitzt, sondern auch, was dadurch möglicherweise zu kurz kommt.
Bildschirmzeit kann Zeit verdrängen, in der Kinder miteinander sprechen, spielen, sich bewegen oder ihre Umgebung selbst entdecken. Gerade für kleine Kinder sind diese unmittelbaren Erfahrungen besonders wichtig.
Dabei geht es nicht nur um die Bildschirmzeit des Kindes. Auch Erwachsene sind Vorbilder. Wenn beim gemeinsamen Spielen, Essen oder Kuscheln immer wieder der Blick aufs Smartphone geht, wird der direkte Austausch unterbrochen. Bewusst bildschirmfreie Zeiten können deshalb der ganzen Familie guttun. Auch der Ratgeber „Bildschirmfrei von Null bis Drei!“ hebt die Vorbildwirkung der Bezugspersonen besonders hervor.
“Im Warteraum sehe ich immer häufiger schon Babys und Kleinkinder mit einem Smartphone in der Hand. Natürlich kann das für Eltern manchmal praktisch sein, eine Wartezeit zu überbrücken oder von einer notwenigen Untersuchung abzulenken. Viel besser wäre es aber, die Wartezeit z.B. für das gemeinsame Betrachten eines Bilderbuches zu nützen. Gerade kleine Kinder brauchen Gespräche, Blickkontakt und gemeinsames Spielen für ihre Entwicklung.
”
Dr.in Gabriele Berger, Kinderärztin bei der ÖGK
- Wie viel Bildschirmzeit ist okay?
Gerade bei kleinen Kindern gilt: je weniger, desto besser.
- Unter 3 Jahren: Kinder sollten möglichst ganz ohne Bildschirmmedien aufwachsen.
- 3 bis 6 Jahre: Als Orientierung gelten höchstens 30 Minuten Bildschirmzeit pro Tag. Dazwischen sollten auch möglichst viele bildschirmfreie Tage eingeplant werden.
Wenn digitale Medien genutzt werden, sollten Eltern altersgerechte Inhalte auswählen und kleine Kinder dabei begleiten.
- Unter 3 Jahren: Kinder sollten möglichst ganz ohne Bildschirmmedien aufwachsen.
- Fünf einfache Regeln für den Familienalltag
- Bildschirmfreie Zeiten schaffen.
Beim Essen, gemeinsamen Spielen und vor dem Schlafengehen Handy, Tablet und Fernseher bewusst ausschalten. Gerade gemeinsame Mahlzeiten bieten viele Gelegenheiten für Gespräche. - Das Handy nur in absoluten Ausnahmefällen zum Beruhigen einsetzen.
Kinder brauchen auch Gelegenheiten, mit Unterstützung ihrer Bezugspersonen mit Langeweile, Frust oder Wartezeiten umzugehen. - Gemeinsam statt allein.
Wenn kleine Kinder Medien nutzen, sollten Eltern sie begleiten und mit ihnen über das Gesehene sprechen. - Auch das Eltern-Handy darf Pause machen.
Kinder orientieren sich an ihren Bezugspersonen. Bildschirmfreie Familienzeiten funktionieren deshalb am besten, wenn sie für alle gelten. - Bildschirmfreie Rituale schaffen.
Vorlesen, erzählen, singen oder kuscheln: Wiederkehrende Abläufe geben Kindern Orientierung und sind besonders vor dem Schlafengehen gute Alternativen zum Bildschirm. Solche bildschirmfreien Rituale werden auch im Ratgeber von Saferinternet.at für die ersten drei Lebensjahre empfohlen.
- Bildschirmfreie Zeiten schaffen.
- Auch Kinderaugen brauchen Bildschirm-Pausen
Handy, Tablet oder Computer bedeuten für die Augen vor allem eines: viel Sehen im Nahbereich. Gleichzeitig verbringen Kinder durch Bildschirmmedien möglicherweise weniger Zeit im Freien.
Studien zeigen einen Zusammenhang zwischen längerer Bildschirmzeit und Kurzsichtigkeit. Dies gilt besonders für Handy, Tablet und Computer. Kurzsichtige Kinder sehen in der Nähe scharf, weiter entfernte Dinge dagegen unscharf.
Zwar macht Bildschirmzeit alleine nicht automatisch kurzsichtig, denn es gibt verschiedene Ursachen, wie erbliche Neigung, Umwelt- und Lebensstilfaktoren. Aber auch die Bildschirmzeit spielt bei der Zunahme der Kurzsichtigkeit von Kindern eine bedeutsame Rolle.
Eine große Datenanalyse aus dem Jahr 2025 von zahlreichen internationalen Studien zeigte, dass jede zusätzliche Stunde Bildschirmzeit pro Tag bei Kindern das Risiko für Kurzsichtigkeit um 21% erhöht. 1)
Im Gegensatz dazu scheint das natürliche Tageslicht beim Aufenthalt im Freien Kurzsichtigkeit vorzubeugen bzw. zu verlangsamen. Empfohlen ist daher, dass Kinder täglich mindestens zwei Stunden im Freien im natürlichen Licht verbringen sollen. 2)
Auch die aktuellen Zahlen der ÖGK zeigen bei jungen Kindern eine leichte Zunahme bei Leistungen von Augenoptiker*innen:
- 2025 nahmen 15.085 Kinder im Alter von 0 bis 10 Jahren entsprechende Leistungen in Anspruch,
- 2026 waren es schon 15.682.
Das entspricht einem Anstieg von rund vier Prozent. Die Aufwände stiegen im selben Zeitraum um rund fünf Prozent.
Die Zahlen allein lassen allerdings keinen Rückschluss auf die Ursachen dieses Anstiegs zu. Sie zeigen aber, dass die Augengesundheit von Kindern ein wichtiges Thema ist.
1) Ha A, Lee YJ, Lee M, Shim SR, Kim YK. Digital Screen Time and Myopia: A Systematic Review and Dose-Response Meta-Analysis. JAMA Netw Open. 2025;8(2):e2460026. doi:10.1001/jamanetworkopen.2024.60026
2) Chen J, Wang J, Qi Z, et al. Smartwatch Measures of Outdoor Exposure and Myopia in Children. JAMA Netw Open. 2024;7(8):e2424595. doi:10.1001/jamanetworkopen.2024.24595Augen brauchen Abwechslung
- Bildschirmzeiten regelmäßig unterbrechen: Pause machen!
- Zeiten am Handy, Tablet oder Computer so kurz wie möglich halten.
- Zwischendurch bewusst in die Ferne schauen.
- Auf möglichst großen Abstand zum Bildschirm achten.
- Jeden Tag am besten 2 Stunden Zeit im Freien im natürlichen Tageslicht verbringen!
Sieht mein Kind gut?
Kinder bemerken oder sagen nicht immer selbst, dass sie schlechter sehen.
Eltern sollten deshalb genauer hinschauen, wenn ihr Kind ...
- ... auffällig nahe vor dem Fernseher oder Bildschirm sitzt,
- ... beim Blick in die Ferne häufig die Augen zusammenkneift,
- ... weiter entfernte Dinge schlecht erkennt
- ... in der Schule Schwierigkeiten hat, Geschriebenes an der Tafel zu erkennen oder
- ... nach der Schule über Kopfschmerzen klagt
Bei Auffälligkeiten sollte das Sehvermögen medizinisch abgeklärt werden.
Handy weg und was jetzt?
Gerade beim Warten ist der Griff zum Smartphone schnell gemacht. Dabei braucht es gar kein großes Unterhaltungsprogramm.
Im Wartezimmer kann gemeinsam ein Bilderbuch angeschaut oder „Ich sehe was, was du nicht siehst“ gespielt werden. Unterwegs lassen sich Tiere, Farben oder Fahrzeuge entdecken und benennen. Während der Fahrt im Auto oder in den öffentlichen Verkehrsmitteln gibt es draußen vor dem Fenster viel zu entdecken. Im Restaurant helfen Malstifte, ein Buch oder kleines Spielzeug. Und im Freien bieten sich Bewegung, Spielen und gemeinsames Entdecken an.
Es muss aber auch nicht jede Minute verplant sein. Kinder dürfen sich zwischendurch selbst beschäftigen. Sogar Langeweile zwischendurch ist gesund, denn sie ist ein Raum für kreative Gedanken. So haben Kinder die Möglichkeit, eigene Ideen zu entwickeln, auszuprobieren und einfallsreich zu werden. Auch der Ratgeber „Bildschirmfrei von Null bis Drei!“ empfiehlt, Kindern Möglichkeiten zur Selbstbeschäftigung zu geben, statt Wartezeiten automatisch mit einem Bildschirm zu überbrücken.
Und wenn doch einmal ein Video läuft? Gelassen bleiben. Entscheidend ist, dass es nicht zur Dauerlösung wird und die Inhalte zum Alter des Kindes passen.
Bildschirmzeit und Sprachentwicklung
Bildschirmzeit kann gerade bei kleinen Kindern relevanten Einfluss auf die Sprachentwicklung nehmen. Babys und Kleinkinder, die viel Zeit vor Bildschirmen verbringen, z.B. mit dem „nebenbei“ laufenden Fernsehgerät zuhause, mit Handyspielen, Videos oder Cartoons auf Handy oder Tablet, zeigen häufiger Verzögerungen in der Sprachentwicklung und die viele Bildschirmzeit kann auch ungünstigen Einfluss auf die Entwicklung des Gehirns nehmen3). Übermäßig hoher Gebrauch digitaler Medien kann sogar zu Autismus-ähnlichen Symptomen in der Entwicklung führen.
3) Hutton JS, Dudley J, Horowitz-Kraus T, DeWitt T, Holland SK. Associations Between Screen-Based Media Use and Brain White Matter Integrity in Preschool-Aged Children. JAMA Pediatr. 2020;174(1):e193869. doi:10.1001/jamapediatrics.2019.3869
“„Wenn ich als Kinderärztin bei einem Kleinkind eine Sprachentwicklungsverzögerung feststelle, ist meine erste Frage an die Eltern: Wie viel Zeit verbringt Ihr Kind pro Tag mit einem Bildschirm? Dann empfehle ich, die Bildschirmzeiten möglichst ganz zu beenden. Und das zeigt häufig Erfolg. Es gibt in unserer Ambulanz viele Fälle von kleinen Kindern, die alleine durch ein Beenden der Bildschirmzeiten und vermehrte Interaktion mit den Eltern innerhalb weniger Monate mit der Sprachentwicklung wieder aufgeholt haben. Als positiven Nebeneffekt bemerken die Eltern dabei häufig, dass die Kinder auch ruhiger sind und emotional ausgeglichener wirken.“
”
Dr.in Gabriele Berger, Kinderärztin bei der ÖGK
Die klare Empfehlung lautet daher: Babys und Kinder bis 3 Jahre sollen gar keine Bildschirmzeiten haben, auch nicht „mitschauen“.
Musik aus einem Lautsprecher ohne Bildschirm hat hingegen keinen negativen Einfluss auf die Entwicklung von Babys und Kleinkindern. Zum Beispiel Kinderlieder können sogar Sprache fördern und anregen.
Bei der Videotelefonie z.B. mit den weit entfernten lebenden Großeltern kann natürlich eine Ausnahme gemacht werden, sofern das Kind hierbei begleitet und die Bildschirmzeit so kurz wie möglich gehalten wird.
Wann sollte ich bei der Sprachentwicklung genauer hinschauen?
Kinder entwickeln sich unterschiedlich schnell. Ein später gesprochenes Wort bedeutet deshalb nicht automatisch, dass eine Sprachentwicklungsstörung vorliegt.
Achten Sie vielmehr auf die Entwicklung insgesamt:
- Reagiert Ihr Kind auf Stimmen und Ansprache?
- Versteht es zunehmend, was Sie sagen?
- Kommen mit der Zeit neue Laute, Wörter und Sätze hinzu?
- Sucht es Kontakt und kommuniziert es auch durch Blicke, Gesten oder Laute?
Besonders wichtig
Macht Ihr Kind keine Fortschritte in der Sprachentwicklung oder hat Ihr Kind bereits erworbene Fähigkeiten wieder verloren, sollte dies ärztlich abgeklärt werden.
Auch gutes Hören ist für die Sprachentwicklung wichtig. Bei Auffälligkeiten sollte deshalb gegebenenfalls das Hörvermögen überprüft werden.
Wenn Sie unsicher sind oder das Gefühl haben, dass sich die Sprache Ihres Kindes nicht weiterentwickelt, wenden Sie sich an Ihre Kinderärztin oder Ihren Kinderarzt. Auch im Rahmen der Eltern-Kind-Pass-Untersuchungen wird die Entwicklung des Kindes regelmäßig mitbeurteilt.