Gesund groß werden: Bunte Kinderjoghurts, Quetschies, Frühstückscerealien oder Vitamin-Drinks? Was speziell für Kinder gemacht aussieht, ist nicht automatisch die beste Wahl. Für ein gesundes Aufwachsen braucht es keine besonderen Kinderprodukte. Viel wichtiger sind eine abwechslungsreiche Ernährung, Wasser als Durstlöscher, regelmäßige Mahlzeiten und ein entspannter Umgang mit Essen.
Was und wie Kinder essen, beeinflusst Wachstum und Entwicklung. Schon früh entstehen Geschmacksvorlieben und Gewohnheiten, die lange erhalten bleiben können.
Eltern müssen dabei nicht jeden Tag alles perfekt machen. Entscheidend ist, Kindern Schritt für Schritt eine vielfältige Ernährung und Freude am gemeinsamen Essen mitzugeben.
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Gesunde Ernährung bei Kindern muss nicht kompliziert sein. Viel wichtiger als einzelne ‚gute‘ oder ‚schlechte‘ Lebensmittel ist, was im Alltag auf den Tisch kommt. Wenn Kinder verschiedene Lebensmittel kennenlernen dürfen, Wasser selbstverständlich dazugehört und gemeinsam gegessen wird, ist schon viel gewonnen.
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Dr.in Gabriele Berger, Kinderärztin bei der ÖGK
Von Anfang an: Stillen und Beikost
Gesunde Ernährung beginnt bereits in den ersten Lebensmonaten. Stillen versorgt Babys mit wichtigen Nährstoffen und kann auch nach dem langsamen Einführen der Beikost weitergeführt werden. Rund um die Weltstillwoche rückt auch die ÖGK das Thema Stillen verstärkt in den Mittelpunkt. Unterstützung und praktische Informationen für werdende und frischgebackene Eltern gibt es unter anderem im kostenlosenÖGK-Workshop „Ernährung in der Schwangerschaft und Stillzeit“ im Rahmen des Programms „Richtig essen von Anfang an!“.
Mit der Beikost beginnt für Babys eine neue Entdeckungsreise: Sie lernen Nahrung in Form von Brei und/oder Fingerfood und damit unterschiedliche Lebensmittel, Geschmäcker und Konsistenzen kennen. Beikost sollte in der Regel zwischen der 17. und 26. Lebenswoche eingeführt werden – abhängig von der individuellen Entwicklung des Kindes.
Anzeichen dafür, dass ein Baby für Beikost bereit sein kann:
Es interessiert sich zunehmend für Lebensmittel.
Der Mund öffnet sich, wenn Nahrung angeboten wird.
Das Baby kann Nahrung mit den Lippen von einem Löffel nehmen.
Es kann Nahrung zum Mund führen und schlucken.
Der Ausspuck-Reflex („Zungenstreck-Reflex“) ist verschwunden.
Zu Beginn eignen sich unter anderem Gemüse, Obst und Getreide sowie eisen- und jodreiche Lebensmittel wie mageres rotes Fleisch. Neue Lebensmittel sollten altersgerecht und ohne Druck angeboten werden.
Zucker, Honig, stark gesalzene oder scharf gewürzte Speisen, Topfen und Käse sowie koffeinhaltige und süße Getränke gehören nicht auf Babys Speiseplan.
Wasser ist der beste Durstlöscher.
Mit dem Programm"Richtig essen von Anfang an!" unterstützt die ÖGK Eltern nicht nur während der Stillzeit, sondern darüber hinaus: Kostenlose Workshops bieten wissenschaftlich fundierte Informationen und praktische Tipps zur Ernährung von der Schwangerschaft über das erste Lebensjahr bis hin zum Kleinkindalter.
Gemeinsam essen ohne Druck
Zwischen dem ersten und dritten Lebensjahr wird das Kind zunehmend an die Familienküche herangeführt.
Jetzt gilt besonders: Eltern entscheiden, was angeboten wird – das Kind entscheidet, ob und wie viel es davon essen möchte.
Dass Gemüse oder andere neue Lebensmittel zunächst abgelehnt werden, ist nichts Ungewöhnliches. Kinder brauchen oft mehrere Begegnungen mit einem neuen Geschmack, bevor sie ihn akzeptieren.
Was im Alltag helfen kann
neue Lebensmittel immer wieder zwanglos anbieten
kleine Portionen servieren und bei Bedarf nachgeben
gemeinsam essen und selbst Vorbild sein
Kinder beim Einkaufen, Waschen, Schneiden oder Kochen einbeziehen
Essen nicht als Belohnung oder Bestrafung einsetzen
Hunger- und Sättigungssignale respektieren
Ein Kind muss seinen Teller nicht leer essen. Ein entspannter Umgang mit Mahlzeiten hilft dabei, ein gesundes Gefühl für Hunger und Sättigung zu entwickeln.
Ob Kindergarten, Schule oder Ausflug: Eine ausgewogene Jause muss nicht aufwendig sein. Vollkornbrot oder Haferflocken, Gemüse und Obst, Naturjoghurt oder andere geeignete Milchprodukte sowie Wasser sind eine gute Basis.
Der ÖGK-Mahlzeitenteller zeigt anschaulich, wie eine ausgewogene Zusammenstellung aussehen kann.
Bunte Verpackungen, Comicfiguren oder Aufschriften wie „mit Vitaminen“: Lebensmittel, die speziell für Kinder beworben werden, wirken oft besonders kindgerecht. Das bedeutet aber nicht automatisch, dass sie ernährungsphysiologisch die bessere Wahl sind.
Kinderjoghurts, Frühstückscerealien, Riegel, Schnitten, Kekse, Quetschies oder Kindergetränke können viel Zucker, Fett oder Salz enthalten. Auch Aussagen auf der Vorderseite der Verpackung sagen wenig über die gesamte Zusammensetzung aus. So bedeutet etwa „ohne Zuckerzusatz“ nicht automatisch, dass ein Produkt wenig Zucker enthält.
Deshalb lohnt sich ein Blick auf Zutatenliste und Nährwerttabelle. Die Menge an freiem Zucker in der Ernährung sollte möglichst gering gehalten werden. Die WHO empfiehlt, dass freie Zucker weniger als zehn Prozent der täglichen Energiezufuhr ausmachen. Eine Reduktion auf unter fünf Prozent kann zusätzliche gesundheitliche Vorteile bringen.
Kinder mögen Süßes – diese Vorliebe ist angeboren. Ein striktes Süßigkeitenverbot braucht es deshalb nicht. Entscheidend ist vielmehr, was im Alltag regelmäßig gegessen und getrunken wird.
Häufig lassen sich stark gezuckerte Produkte unkompliziert durch andere Lebensmittel ersetzen:
Statt Kinderjoghurt: Naturjoghurt mit frischem Obst
Statt süßen Frühstückscerealien: Haferflocken mit Obst und altersgerecht angebotenen Nüssen
Statt Quetschie: frisches Obst
Statt Kinder-Eistee oder Saft: Wasser, zum Beispiel mit Beeren, Gurke oder Minze
Süßigkeiten dürfen ihren Platz haben – am besten bewusst, in kleinen Mengen und nicht ständig über den Tag verteilt.
Zusätzlichen freien Zucker in Lebensmitteln benötigt der Körper nicht. Besonders leicht wird Zucker über Getränke aufgenommen. Limonaden, Eistees und auch Fruchtsäfte liefern Zucker, ohne so gut zu sättigen wie feste Lebensmittel. Wasser ist deshalb der beste Durstlöscher.
Auch für die Zähne ist entscheidend, wie häufig Zucker konsumiert wird. Nach zuckerhaltigem Essen oder Trinken bilden Bakterien im Zahnbelag Säuren, die den Zahnschmelz angreifen. Wer über viele Stunden immer wieder nascht oder an süßen Getränken nippt, setzt die Zähne wiederholt solchen Säureangriffen aus. Das kann Karies begünstigen.
Einfacher Grundsatz für den Familienalltag: Süßes lieber bewusst genießen, statt ständig nebenbei zu naschen oder süße Getränke zu trinken.
Gesunde Zähne von Anfang an
Ernährung und Zahngesundheit gehören zusammen. Die Zahnpflege beginnt bereits mit dem ersten Milchzahn. Eine altersgerechte Zahnbürste und fluoridhaltige Kinderzahnpasta helfen dabei, Karies vorzubeugen.
Wichtig ist außerdem
zweimal täglich Zähne putzen
Kinder beim Putzen begleiten und bis zum Ende der Volksschulzeit zumindest einmal täglich nachputzen
abends nach dem Zähneputzen nur noch Wasser trinken
Wasser als alltäglichen Durstlöscher anbieten
Dauernuckeln an Flaschen mit süßen Getränken vermeiden
Darüber hinaus stehen die Zahngesundheitszentren der ÖGK sowie Leistungen der Kinderzahnheilkunde und Kieferorthopädie zur Verfügung. Dazu zählen bei entsprechender medizinischer Indikation die Gratis-Zahnspange sowie die kostenlose Mundhygiene für Kinder und Jugendliche zwischen dem vollendeten 10. und 18. Lebensjahr.
Gesundes Wachstum: Nicht nur auf die Waage schauen
Kinder wachsen nicht gleichmäßig. Größe und Gewicht verändern sich in unterschiedlichen Phasen – deshalb sagt eine einzelne Zahl auf der Waage wenig über die Entwicklung eines Kindes aus.
Gleichzeitig ist es wichtig, auffällige Gewichtsentwicklungen frühzeitig zu erkennen. Je früher Kinder auf dem Weg zu einem gesunden Körpergewicht unterstützt werden, desto besser können gesunde Gewohnheiten im Familienalltag verankert werden.
Wenn Eltern unsicher sind, ob sich ihr Kind altersgerecht entwickelt, ist die Kinderärztin oder der Kinderarzt die richtige Anlaufstelle. Die vorgesehenen Untersuchungen im Eltern-Kind-Pass begleiten Wachstum und Entwicklung von Anfang an.
Für Kinder und Familien, die Unterstützung rund um Ernährung, Bewegung und einen gesunden Lebensstil benötigen, bietet die ÖGK außerdem Programme wieeasykids.
Was Kinder wirklich brauchen
Gesunde Kinderernährung braucht weder spezielle Kinderprodukte noch Perfektion:
Abwechslungsreich essen
Wasser trinken
gemeinsam Mahlzeiten genießen
Süßes bewusst und nur in kleinen Mengen anbieten
von Anfang an auf die Zähne achten
Mit diesen einfachen Grundsätzen können Eltern viel für ein gesundes Aufwachsen tun.
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