Ende Oktober heißt es wieder: Raus aus Kindergarten und Schule, rein in die Herbstferien. Egal ob die freien Tage zu Hause oder auf Reisen verbracht werden: Wenn Kinder plötzlich Fieber bekommen, husten oder über Bauchweh klagen, ist schnelle und vor allem sichere Hilfe gefragt. Was Eltern bei Hausmitteln und Medikamenten beachten sollten und was in die Reiseapotheke gehört, erfahren Sie hier.
Gut vorbereitet in die Herbstferien
Kinder sind keine kleinen Erwachsenen!
Was Erwachsenen hilft, ist für Kinder nicht automatisch geeignet. Unter anderem beeinflussen Körpergewicht und Alter, welche Medikamente geeignet sind, wie Medikamente wirken und welche Dosierung notwendig ist. Deshalb sollten Eltern ihre „Erwachsenenmedikamente“ niemals einfach nach Gefühl niedriger dosieren, teilen oder zerkleinern und dann ihrem Kind verabreichen.
Gut zu wissen
Manche Medikamente schmecken süß und bekömmlich. Medikamente deshalb immer außerhalb der Reichweite von Kindern aufbewahren, um eine unbeaufsichtigte Einnahme sicher zu verhindern. Auch „Kindermedikamente“ beinhalten hochwirksame Stoffe und können bei einer Überdosierung lebensbedrohlich sein.
Im Notfall
Besteht der Verdacht, dass ein Kind versehentlich Medikamente eingenommen hat, hilft die
- Vergiftungsinformationszentrale unter 01 406 43 43 rund um die Uhr weiter.
- Bei lebensbedrohlichen Symptomen sofort 144 wählen.
Bei Arzneimitteln für Kinder ist die richtige Dosierung entscheidend. Flüssige Medikamente sollten nicht mit einem einfachen Küchenlöffel dosiert werden. Geeignet sind die mitgelieferte Dosierhilfe oder eine orale Dosierspritze ohne Nadel. Bei Säften und Suspensionen unbedingt die Gebrauchsanleitung beachten: Manche müssen vor der Einnahme geschüttelt werden.
Auch Antibiotika sollten genau nach ärztlicher Verordnung eingenommen und nicht eigenmächtig abgesetzt werden.
Verlässliche Informationen zur Dosierung und Anwendung von Arzneimitteln bei Kindern bietet auch kindermedika.at, ein vom Dachverband der österreichischen Sozialversicherungsträger gefördertes Projekt.
Mehr als 2,5 Millionen Arzneimittelpackungen wurden 2025 für ÖGK-versicherte Kinder im Alter von 0 bis 14 Jahren auf Kassenkosten abgegeben. Umso wichtiger ist es, Medikamente richtig anzuwenden. Denn Kinder brauchen Arzneimittel, die für ihr Alter und Körpergewicht geeignet und entsprechend dosiert sind. Quelle:ÖGK
“Nicht jeder Schnupfen und nicht jeder Husten braucht sofort ein Medikament. Wichtig ist, den Allgemeinzustand des Kindes zu beobachten. Einfache Mittel, wie ein Nasenspray mit isotoner Kochsalzlösung, können bei leichten Beschwerden unterstützen. Wenn ein Kind aber krank wirkt oder Eltern besorgt sind, sollte medizinischer Rat eingeholt werden.
”
Dr.in Gabriele Berger, Kinderärztin bei der ÖGK
Hausmittel
Was hilft und wo sind die Grenzen?
- Bei leichten Beschwerden können bewährte Hausmittel Linderung bringen. Entscheidend ist aber immer, wie es dem Kind insgesamt geht.
- Bei Fieber: Lauwarme Wadenwickel können angenehm sein, wenn das Kind warme Beine hat und sich damit wohlfühlt. Bei Schüttelfrost sind sie allerdings nicht geeignet.
- Bei Husten: Ausreichend trinken kann wohltuend sein. Honig kann Erkältungshusten lindern, ist aber für Kinder unter einem Jahr nicht geeignet.
- Bei Bauchweh: Wärme, etwa durch ein körperwarmes Kirschkernkissen, kann bei leichten Beschwerden oder Blähungen guttun. Starke oder anhaltende Bauchschmerzen sollten hingegen rasch ärztlich abgeklärt werden.
- Bei Durchfall: Eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr ist besonders wichtig. Verdünnte Säfte und klare Suppe können Glukose zuführen und verlorene Elektrolyte teilweise ersetzen. Bei starkem oder wiederholtem Durchfall, bei zusätzlichem Erbrechen oder bei Säuglingen mit Durchfall oder Erbrechen muss aber rasch ärztliche Hilfe aufgesucht werden.
Die ÖGK hat gemeinsam mit der Österreichischen Apothekerkammer Tipps und Informationen zum richtigen Einsatz von Hausmitteln zusammengestellt – auch speziell für Kinder.
Medikamente
Wenn es gar nicht schmeckt
Manchmal wird schon die Einnahme eines Medikaments zur Herausforderung. Druck oder Zwang helfen dabei meist wenig. Bei flüssigen Medikamenten kann eine orale Dosierspritze die Einnahme erleichtern. Die Flüssigkeit langsam in die Wangentasche geben und nicht direkt in den Rachen spritzen.
Bevor Sie Medikamente in Joghurt, Apfelmus oder Getränke mischen, holen Sie sich bitte ärztlichen oder pharmazeutischen Rat. Manche Wirkstoffe können mit bestimmten Lebensmitteln wechselwirken. Außerdem bleibt unklar, wie viel Wirkstoff das Kind tatsächlich aufgenommen hat, wenn es nicht alles aufisst oder austrinkt.
Bei Unsicherheiten zur Einnahme oder zur geeigneten Darreichungsform können Ärztinnen und Ärzte oder Apothekerinnen und Apotheker weiterhelfen.
Medizinische Hilfe
Wann muss mein Kind zum Arzt?
Hausmittel und eine gut ausgestattete Hausapotheke können bei leichten Beschwerden hilfreich sein. Sie ersetzen aber keine medizinische Abklärung.
Ärztlicher Rat ist insbesondere gefragt, wenn Beschwerden stark sind, länger anhalten oder sich verschlechtern, das Kind beeinträchtigt oder krank wirkt oder Eltern das Gefühl haben, dass etwas nicht stimmt.
Weitere Informationen finden Sie unter Mein Kind ist krank – was kann ich tun?.
Bei Unsicherheit bietet die Gesundheitsberatung 1450 rund um die Uhr Orientierung, wohin man sich am besten wenden kann. Bei einem medizinischen Notfall, etwa bei schwerer Atemnot oder Bewusstseinsstörungen, gilt: 144 rufen.
Ab in den Urlaub: Was gehört in die Kinder-Reiseapotheke?
Eine Reiseapotheke sollte zum Alter des Kindes, zum Reiseziel und zu individuellen Erkrankungen passen. Vor der Abreise lohnt sich deshalb ein kurzer Check.
- Kontrollieren Sie das Ablaufdatum Ihrer Medikamente.
- Bei bereits geöffneten Säften oder Tropfen ist außerdem die angegebene Haltbarkeit nach dem Öffnen zu beachten.
- Dauermedikamente am besten in ausreichender Menge mitnehmen.
- Wichtige Arzneimittel gehören bei Flugreisen ins Handgepäck und sollten unterwegs vor zu großer Hitze geschützt werden.
- Bei bestimmten verschreibungspflichtigen Medikamenten können für die Mitnahme ins Ausland besondere Bestimmungen gelten.
- Vor allem vor Fernreisen empfiehlt es sich außerdem, rechtzeitig zu prüfen, ob für das Reiseziel besondere gesundheitliche Vorsorgemaßnahmen, wie zum Beispiel Reiseimpfungen, notwendig sind.
Lassen Sie sich bereits zum Zeitpunkt der Reisebuchung ärztlich beraten. Reiseimpfungen sollten rechtzeitig geplant werden, da manche bereits einige Wochen vor der Abreise erfolgen müssen.
- Vorschlag für eine Reiseapotheke:
- Alters- und gewichtsgeeignete Medikamente gegen Fieber und Schmerzen (z.B. Ibuprofen und Paracetamol in der richtigen Dosierung)
- Kochsalzlösung als Nasenspray oder im kleinen Dosierbehältnis zur Nasenreinigung und Befeuchtung von Nase und Rachen bei Schnupfen und Husten
- Abschwellendes Nasenspray zur Anwendung bei starkem Schnupfen nach ärztlicher oder pharmazeutischer Beratung
- „Elektrolyt-Glukose-Trinklösungen“ in Pulverform aus der Apotheke bei Durchfall und Erbrechen (Bitte beachten Sie sorgfältig die Gebrauchsanweisung der jeweiligen Trinklösung. Eine zu geringe oder zu starke Verdünnung kann gefährliche Folgen haben.)
- Wunddesinfektionsmittel, Pflaster, sterile Kompressen und Verbandsmaterial
- Wundschutzsalbe und Heilsalbe für kleine Wunden oder Hautirritationen nach ärztlicher oder pharmazeutischer Beratung
- Persönliche Medikamente, etwa bei Allergien, chronischen Erkrankungen oder individuellen Beschwerden, so wie ärztlich verordnet
- Digitales Fieberthermometer, Pinzette und Zeckenpinzette
- Orale Dosierspritze (ohne Nadel)
- Altersentsprechende Sonnenschutzcreme (wichtig: auch Sonnenhut und Sonnenschutzkleidung für sonnige Urlaubsziele einpacken!)
- Altersgerechter Insektenschutz
- Wie Sie auf einer Reise einer infektiösen Durchfallerkrankung vorbeugen können
- Stillen Sie Ihr Baby, wenn möglich. Auch teilweises Stillen kann sinnvoll sein.
- Achten Sie auf eine sorgfältige Händehygiene. Waschen Sie Ihre Hände mit warmem Wasser und Seife, insbesondere vor der Zubereitung von Mahlzeiten oder dem Umgang mit Lebensmitteln, vor dem Stillen, nach dem Toilettenbesuch und nach dem Windelwechsel. Falls erforderlich, können die Hände zusätzlich desinfiziert werden.
- Achten Sie darauf, ob Lebensmittel und Getränke sicher zubereitet sind. Vermeiden Sie unvollständig gegartes Fleisch, Speisen mit rohen Eiern sowie Rohmilch. Auch Leitungswasser in vielen Reiseländern, rohe Speisen wie Salate, offenes Speiseeis oder Eiswürfel in Getränken können manchmal eine Infektionsquelle sein. Merkspruch: „Boil it, cook it, peel it, or leave it“ („Kochen, garen, schälen – sonst lieber stehen lassen.“)
- Vermeiden Sie direkten Kontakt mit freilaufenden Tieren.
- Nutzen Sie empfohlene Schutzimpfungen und Reiseimpfungen. Die Impfung gegen Rotaviren wird für Säuglinge und Kleinkinder im Rahmen des kostenlosen Kinderimpfkonzeptes empfohlen. Weitere Informationen finden Sie unter Kostenlose Impfungen für Kinder.
Weitere Informationen zum Thema Durchfallserkrankungen bei Kindern finden Sie auf gesundheit.gv.at.
e-card, EKVK und Impfpass nicht vergessen
Auch der Versicherungsschutz gehört zur Reisevorbereitung. Innerhalb Österreichs sollte die e-card mit, bei Reisen innerhalb der EU, des EWR, der Schweiz und weiterer Vertragsstaaten kann die Europäische Krankenversicherungskarte (EKVK) auf der Rückseite der e-card wichtig sein. Auch den Impfpass des Kindes am besten griffbereit halten.
Welche Leistungen im Ausland übernommen werden und was bei einer medizinischen Behandlung im Urlaub zu beachten ist, hängt vom Reiseland ab. Die ÖGK informiert über ärztliche Behandlung im Urlaub, die EKVK und den Versicherungsschutz im Ausland.