Von der ersten Impfung im Babyalter bis zur Auffrischung in der Schule: Welche Impfungen braucht mein Kind, welche sind kostenlos und darf auch bei Schnupfen geimpft werden? Die Österreichische Gesundheitskasse (ÖGK) beantwortet die wichtigsten Fragen rund ums Impfen.
Kinderimpfungen: Was ist wirklich wichtig?“
Masern, Keuchhusten oder Kinderlähmung: Vor der Einführung von Schutzimpfungen erkrankten viele Kinder an Infektionskrankheiten, die lebensgefährlich verlaufen konnten. Dank der Impfungen sind diese Erkrankungen heute selten geworden. Verschwunden sind die Krankheitserreger aber nicht. Besonders für Babys und Kleinkinder können Infektionen auch schwerwiegende Folgen haben.
Impfungen gehören deshalb zu den wichtigsten Maßnahmen, um Kinder vor schweren Erkrankungen und möglichen Folgeschäden zu schützen. Doch wann ist welche Impfung notwendig? Und wie sicher sind Impfstoffe?
“Ich empfehle Eltern, ihre Kinder nach dem Österreichischen Impfplan impfen zu lassen. Er wird laufend an neue wissenschaftliche Erkenntnisse angepasst und bietet uns Ärztinnen und Ärzten eine verlässliche Grundlage für die Beratung. Impfungen schützen Kinder vor vermeidbaren Erkrankungen. Sie trainieren das Immunsystem. Durch die Impfung lernt das Immunsystem des Kindes, sich auf bestimmte Krankheitserreger gut vorzubereiten und bei einem Kontakt mit einem Erreger, diesen dann gezielt abzuwehren. Eine zeitgerechte Durchführung der empfohlenen Schutzimpfungen ist deshalb klar zu empfehlen.
”
Dr.in Gabriele Berger, Kinderärztin im ÖGK-Gesundheitszentrum Wien-Floridsdorf
Welche Impfungen sind in welchem Alter vorgesehen?
Schon in den ersten Lebenswochen sind wichtige Schutzimpfungen empfohlen, da bestimmte Infektionen bei Säuglingen aufgrund ihres noch unreifen Immunsystems und ihrer engen Atemwege besonders schwer verlaufen können. Gerade weil Kleinkinder und Säuglinge besonders schutzbedürftig sind, sind diese frühzeitigen Impfungen sehr wichtig. Im Laufe der nächsten Lebensjahre kommen weitere Schutzimpfungen hinzu. Welche Impfungen gerade empfohlen sind, hängt unter anderem vom Alter und vom bisherigen Impfstatus des Kindes ab.
- Im ersten Lebensjahr
Bereits Babys sollten vor vermeidbaren, schweren Infektionskrankheiten geschützt werden. Ihr Immunsystem ist noch sehr unerfahren, daher sind sie gegenüber zahlreichen Erregern sehr empfindlich. Schutzimpfung unterstützen ihr Immunsystem beim Lernprozess, Krankheitserreger selbst erfolgreich abzuwehren.
Zu den empfohlenen und wichtigen Impfungen zählen:
- Rotaviren: Die Schluckimpfung schützt vor schweren Durchfallerkrankungen durch Rotaviren, die besonders bei Säuglingen wegen starkem Flüssigkeitsverlust zu Krankenhausaufenthalten führen können.
- Sechsfachimpfung: Sie schützt gleichzeitig vor Diphtherie, Tetanus, Keuchhusten, Kinderlähmung, Haemophilus Influenzae Typ B und Hepatitis B. Gerade Keuchhusten und Haemophilus Influenzae Typ B kann für ganz kleine Säuglinge lebensgefährlich sein.
- Pneumokokken: Diese Bakterien können unter anderem schwerste, lebensbedrohliche Lungenentzündungen, Hirnhautentzündungen und Blutvergiftungen verursachen.
- Masern, Mumps und Röteln: Besonders Masern sind eine schwere Erkrankung mit häufigen Komplikationen und Langzeitschäden. Die erste Impfung ist ab dem vollendeten neunten Lebensmonat empfohlen. Für einen vollständigen Schutz sind zwei Impfungen notwendig.
- Meningokokken: Im ersten Lebensjahr bietet die empfohlene Impfung Schutz vor Hirnhautentzündungen durch Meningokokken der Gruppe B.
Auch der Schutz vor dem Respiratorischen Synzytial-Virus (RSV) ist gerade für Säuglinge sehr wichtig. RSV kann schwere Atemwegsinfektionen verursachen. Für Babys steht in den Wintermonaten eine vorbeugende Immunisierung mit Antikörpern zur Verfügung.
- Im Kleinkindalter
In den folgenden Lebensjahren werden begonnene Impfserien abgeschlossen. Zusätzlich sind unter anderem Impfungen gegen FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis), Meningokokken der Gruppen A, C, W, und Y, Windpocken und Hepatitis A empfohlen.
Die FSME-Impfung schützt vor einer durch Zecken übertragenen Viruserkrankung, die eine Entzündung des Gehirns und der Hirnhäute auslösen kann. In Österreich besteht in allen Bundesländern ein erhöhtes Ansteckungsrisiko.
- Vor dem Schuleintritt
Mit 5 Jahren ist eine Auffrischung mit der 4-fach-Impfung gegen Diphtherie, Tetanus, Keuchhusten und Kinderlähmung empfohlen, weil zu diesem Zeitpunkt besonders der Schutz gegen Keuchhusten schon nachlässt. Durch die Auffrischung sind die Kinder dann wieder frisch geschützt im letzten Kindergartenjahr. Auch der Impfstatus bezüglich FSME sollte in diesem Alter noch einmal überprüft werden.
- Im Schulalter
Mit dem Schuleintritt sollte der Impfstatus neuerlich kontrolliert werden. Wichtig sind insbesondere Auffrischungsimpfungen gegen Hepatitis B und FSME – und falls noch nicht erfolgt die Auffrischung gegen Diphtherie, Tetanus, Keuchhusten und Kinderlähmung. Auch die Impfung gegen FSME soll regelmäßig aufgefrischt werden.
- Für ältere Kinder und Jugendliche
Besonders wichtig ist die Impfung gegen Humane Papillomaviren (HPV) ab 9 Jahren. Sie wird Mädchen und Buben empfohlen und kann vor mehreren Arten von Krebserkrankungen schützen. Auch die Impfung oder Auffrischung gegen Meningokokken der Gruppen A, C, W und Y sowie gegen FSME vorgesehen. Auch weitere Auffrischungsimpfungen, etwa die 4-fach-Impfung gegen Diphtherie, Tetanus, Keuchhusten und Kinderlähmung, werden empfohlen.
- Nicht vergessen: die Grippeimpfung
Die jährliche Impfung gegen Influenza wird besonders auch Kindern empfohlen. Die echte Grippe (Influenza) ist keine harmlose Erkältung. Sie kann hohes Fieber, schwere Krankheitsverläufe und Komplikationen verursachen. Der Schutz durch die Impfung soll jeden Herbst erneuert werden. Da sich Grippeviren laufend verändern, wird die Impfung jedes Jahr an die aktuelle Saison angepasst.
Auch für COVID-19 enthält der österreichische Impfplan alters- und risikobezogene Empfehlungen. Eine Impfung ist bereits ab dem vollendeten 6. Lebensmonat möglich.
Wichtig!
Welche Impfungen Ihr Kind genau benötigt, welche Abstände einzuhalten sind und wann Auffrischungen notwendig werden, erfahren Sie bei Ihrer Kinderärztin oder Ihrem Kinderarzt. Grundlage ist der aktuelle Impfplan Österreich.
Sind so viele Impfungen für mein Kind nicht schädlich?
Nein. Das Immunsystem von Kindern setzt sich täglich mit unzähligen Krankheitserregern auseinander. Die empfohlenen Impfungen überfordern es nicht. Sie bereiten den Körper vielmehr darauf vor, bestimmte Erreger rasch zu erkennen und gezielt abzuwehren.
Auch mehrere Impfungen an einem Termin sind problemlos möglich. Kombinationsimpfstoffe schützen gleichzeitig vor mehreren Erkrankungen und ersparen Kindern zusätzliche Stiche.
Impfungen sind sehr sicher. Bevor ein Impfstoff zugelassen wird, muss er strenge Qualitäts- und Sicherheitsanforderungen erfüllen. Dabei werden sowohl seine Wirksamkeit als auch mögliche Nebenwirkungen sorgfältig geprüft. Fachleute bewerten, ob der Nutzen der Impfung mögliche Risiken überwiegt. Bei der Herstellung und Qualitätskontrolle gelten hohe Standards und auch danach wird ihre Sicherheit laufend überwacht.
Welche Impfreaktionen können auftreten?
Nach einer Impfung kann es zu vorübergehenden Reaktionen kommen. Dazu zählen Schmerzen, Rötungen oder Schwellungen an der Einstichstelle, Müdigkeit und manchmal Fieber. Diese Beschwerden sind meist nur leicht und klingen nach kurzer Zeit wieder ab. Schwere unerwünschte Reaktionen sind sehr selten. Im Detail informiert Sie Ihre Ärztin oder Ihr Arzt.
In den Gebrauchsinformationen der Impfstoffe finden Eltern unter dem Abschnitt „Nebenwirkungen“ eine Übersicht über mögliche Impfreaktionen und deren Häufigkeit. Aufgeführt sind dabei Reaktionen, bei denen ein Zusammenhang mit der Impfung zumindest vermutet wird.
Im Vergleich zu den meist rasch vorübergehenden Impfreaktionen können aber Infektionskrankheiten wie Masern, Keuchhusten oder Pneumokokken-Erkrankungen schwere Komplikationen und bleibende Schäden verursachen
Darf mein Kind mit Schnupfen geimpft werden?
Ja. Ein leichter Schnupfen oder eine leichte Erkältung ist normalerweise kein Grund, einen Impftermin zu verschieben. Anders sieht es bei einer schweren, akuten Erkrankung aus. Dann kann es sinnvoll sein, die Impfung auf einen späteren Zeitpunkt zu verschieben.
Ob Ihr Kind geimpft werden kann, entscheidet die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt.
Was gilt für Frühgeborene und Kinder mit Vorerkrankungen?
Gerade Kinder mit bestimmten Vorerkrankungen können ein erhöhtes Risiko für schwere Infektionsverläufe haben. Deshalb ist ein rechtzeitiger Impfschutz besonders wichtig.
Für Frühgeborene, Kinder mit chronischen Erkrankungen oder einem geschwächten Immunsystem enthält der österreichische Impfplan spezielle Empfehlungen. Die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt stimmt die Impfungen auf die gesundheitliche Situation des Kindes ab.
Was tun, wenn eine Impfung versäumt wurde?
Die meisten Impfungen können problemlos nachgeholt werden. Bei einzelnen Impfungen und beim kostenfreien Angebot gibt es bestimmte Altersgrenzen. Hier ist eine ärztliche Beratung sinnvoll und es gibt dazu auch Empfehlungen im Österreichischen Impfplan. Den bestmöglichen Schutz haben Kinder aber dann, wenn sie die Impfungen zeitgerecht erhalten.
Eltern sollten deshalb den Impfpass regelmäßig kontrollieren lassen, damit fehlende Impfungen möglichst rasch nachgeholt werden können.
Impfmythen: Was stimmt wirklich?
Rund ums Impfen kursieren zahlreiche Behauptungen. Drei davon halten sich besonders hartnäckig.
„Kinderkrankheiten sind harmlos.“
Das stimmt nicht. Masern können beispielsweise zu Lungen- oder Gehirnentzündungen führen. Auch Keuchhusten kann besonders für Säuglinge lebensgefährlich werden.
„Es ist besser, wenn mein Kind die Krankheit selbst durchmacht.“
Nein. Eine durchgemachte Infektion kann zwar einen Immunschutz hinterlassen, sie birgt aber auch das Risiko schwerer Komplikationen. Impfungen haben den großen Vorteil, dass sie das Kind schützen, ohne dass das Kind dabei erkrankt.
„Geimpfte Kinder können trotzdem krank werden. Also bringt die Impfung nichts.“
Keine Impfung bietet einen hundertprozentigen Schutz. Impfungen verringern jedoch das Erkrankungsrisiko deutlich. Im Falle einer Erkrankung können Impfungen schwere Verläufe verhindern.
“Ich nehme die Sorgen von Eltern ernst und gehe im Gespräch gezielt darauf ein. Oft entstehen Unsicherheiten durch fehlende Informationen oder Missverständnisse. Wenn Eltern verstehen, wie Impfungen wirken und warum sie empfohlen werden, können sich viele Bedenken auflösen. So gewinnen sie mehr Sicherheit, um eine gut informierte Entscheidung für ihr Kind zu treffen.
”
Dr.in Gabriele Berger, Kinderärztin im ÖGK-Gesundheitszentrum Wien-Floridsdorf
Welche Kinderimpfungen sind kostenlos?
In Österreich gibt es ein öffentlich finanziertes Kinderimpfprogramm. Es ermöglicht Kindern und Jugendlichen, zahlreiche wichtige Schutzimpfungen kostenlos in Anspruch zu nehmen.
Dazu zählen:
- Impfungen gegen Rotaviren, Pneumokokken, Hepatitis B, Masern, Mumps, Röteln, Diphtherie, Tetanus, Keuchhusten, Kinderlähmung, Haemophilus Influenzae B, Meningokokken ACWY, HPV und COVID-19.
- Auch die Influenza-Impfung wird im kostenlosen öffentlichen Impfprogramm angeboten.
Nicht alle empfohlenen Impfungen sind kostenlos. Für manche Impfungen, etwa gegen FSME oder Windpocken können Kosten anfallen. Auch die Altersgrenzen für kostenlose Impfungen unterscheiden sich.
Informationen dazu finden Sie im kostenfreien Kinderimpfprogramm.
So bereiten Sie Ihr Kind auf die Impfung vor
Ein Impftermin ist für viele Kinder aufregend. Mit ein paar einfachen Maßnahmen können Eltern helfen:
- Ehrlich erklären: Sagen Sie Ihrem Kind altersgerecht, was passiert: Es wird durch die Impfung geschützt. Die Verabreichung kann kurz unangenehm sein.
Vermeiden Sie zu sagen „Das tut gar nicht weh.“
Besser: Machen Sie Ihrem Kind Mut. „Das geht ganz schnell, ich bleibe bei dir und helfe dir. Wir schaffen das gemeinsam.“ - Nähe geben: Wenn das möglich ist und Ihr Kind das möchte, halten Sie Ihr Kind während der Impfung mit einer Umarmung. „Ich helfe dir dabei still zu halten“.
Bei Babys kann Stillen oder ein Halten im Arm beruhigend wirken. - Ablenken: Ein Kuscheltier, ein Buch oder eine Geschichte können helfen. Eine Belohnung nach der Impfung kann den Mut stärken.
- Impfpass mitnehmen: So kann die Ärztin oder der Arzt überprüfen, welche Impfungen bereits durchgeführt wurden.
Weitere Informationen
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Ist Ihr Kind vollständig geimpft? Stehen Auffrischungen an oder wurde eine Impfung versäumt?
Nutzen Sie den nächsten Termin bei Ihrer Kinderärztin oder Ihrem Kinderarzt, um den Impfstatus zu überprüfen. So können Sie sicherstellen, dass Ihr Kind entsprechend dem österreichischen Impfplan geschützt ist.